DIE ARMEE, DIE GAR NICHT EXISTIERTE – 23. GEISTERARMEE
Die 23rd Special Troops der US-Armee, auch „Ghost Army“ genannt, war wohl eine der kreativsten und ungewöhnlichsten Einheiten des 2. Weltkriegs. Sie wurde im Juni 1944 aufgestellt und bestand aus Fernmeldern, Pionieren (spezialisiert im Bereich Tarnen & Täuschen) sowie Kampftruppen zur Eigensicherung.
Mit aufblasbaren Panzern, Geschützen und Trucks konnte die 23rd innerhalb weniger Stunden große Truppenbewegungen darstellen, die für feindliche Luftaufklärung nicht von echten Einheiten zu unterscheiden waren. Auch der vorgetäuschte Aufbau von Feldposten und ganzen Flugplätzen war möglich. Die Idee dazu kam von den Briten, welche die Wehrmacht bei der Schlacht von El Alamein bereits erfolgreich mit Fahrzeugattrappen getäuscht hatten.
Über Lautsprecher auf den Fahrzeugen wurde der Gegner zusätzlich bis zu 25 km weit mit unterschiedlichen Aufnahmen von Ketten- und Motorengeräuschen beschallt, um auffahrende Truppen zu simulieren. Hierfür nutzte man hochmoderne Aufnahmen, die mit einem speziellen Programm lageangepasst abgespielt werden konnten.
So konnte die Einheit von etwa 1.100 Mann eine Truppenanzahl von bis zu 30.000 Soldaten vortäuschen und soll erfolgreich nach der Landung in der Normandie sowie der Schlacht um den Rhein eingesetzt worden sein. Ob und inwiefern die Täuschungsmanöver den Verlauf des Krieges beeinflusst haben, ist aufgrund der strengen Geheimhaltung ungewiss. Tatsache ist jedoch, dass die Ghost Army nicht als solche in Berichten der Wehrmacht zu finden ist, weshalb man davon ausgehen kann, dass die deutschen Truppen auf die Täuschung hereinfielen.
Obwohl die 23rd Special Troops bereits 1945 wieder aufgelöst wurde, hob man die Geheimhaltung der Akten erst im Jahr 1996 auf. Viele der für die Ghost Army rekrutierten Künstler gingen nach dem Krieg zurück in ihre zivilen Berufe und wurden angesehene Modedesigner, Ton- und Filmtechniker oder Werbemänner.