DER TAG, AN DEM ICH ENTSCHLUSSFINDUNG VERSTAND
„Anführer sind Leute, die schnelle Entscheidungen treffen und manchmal richtig liegen.“
– ELBERT HUBBARD (AMERIKANISCHER SCHRIFTSTELLER)
Lesezeit: 4 Minuten
Die Führung von Menschen, Untergebenen, Soldaten, ist das wichtigste Thema in der Bundeswehr überhaupt. Es gibt keinen Bereich, in dem man mehr falsch oder mehr richtig machen kann, der größere Auswirkungen hat und langfristiger das Bild der Truppe prägt.
Ich bin heute beim Lesen auf das oben stehende Zitat gestoßen und musste direkt an eine (Übungs-)Situation in der Bundeswehr denken, die mich bis heute in meinem Führungsstil geprägt hat.
Ich möchte dir einen kleinen Einblick in genau diese Situation geben und wünsche mir, dass auch andere (junge) Führer etwas daraus lernen können.
1. Kontrolliertes Chaos
Eine typische Dickung: Wie du siehst, siehst du nichts.
2. Der Befehl
Über Funk bekam meine Gruppe nun den Befehl, den Feind zu flankieren, damit wir die Gefahr ausschalten und unseren Marsch fortsetzen konnten. Unsere Nachbargruppe würde uns währenddessen Deckung geben.
Wir mussten also irgendwie durch die Sperre oder an ihr vorbei, unterwegs die genaue Position des Feindes ausmachen und möglichst unentdeckt in dessen Seite einbrechen.
Nachdem ich den Befehl an meine Männer weitergegeben hatte, machten wir uns unverzüglich an die Ausführung.
Mein erster Mann, ein erfahrener Mannschafter, hatte den Befehl mitgehört und wollte mich unterstützen. Er wies mich auf eine ausgekundschaftete Lücke in der Sperre hin und war im Begriff, uns dorthin zu lenken.
Ich hielt kurz inne. Alles in meinem Kopf sagte mir, dass es schlauer wäre, die Sperre komplett zu umlaufen und viel weiter auszuholen, bevor wir uns Richtung Feind begeben.
Doch die Lücke in der Sperre lag tatsächlich genau vor uns, und ich wollte die Meinung eines erfahrenen Soldaten nicht einfach so ignorieren.
3. Die Entscheidung
Ich musste einen Entschluss fällen.
Entweder auf den eigenen Instinkt vertrauen und eventuell kostbare Zeit verlieren. Oder einer anderen Meinung folgen, von der ich aber nicht zu 100 % überzeugt war.
Es kam, wie es kommen musste. Ich folgte dem Ratschlag meines Kameraden und das Desaster begann. Wir verliefen uns vollständig, setzten beinahe von der falschen Seite an, tauchten zeitweise genau auf Höhe unserer Nachbargruppe auf und brauchten etwa viermal so lange, wie wir normalerweise benötigt hätten, um den Feind ausfindig zu machen und zu werfen.
Einzig dem dichten Gelände und unserem – trotz der Fehlentscheidung – sehr aggressiven Vorgehen ist es zu verdanken, dass wir nicht frühzeitig aufgeklärt und bekämpft wurden.
4. Resümee
Ich habe mich an dem Tag mehr geärgert, als man sich vorstellen kann.
Nicht einfach, weil ich die Situation aus taktischer Sicht besser hätte beurteilen und lösen können. Sondern weil es nicht einmal meine Entscheidung war, die uns unnötig Zeit und Energie geraubt hat.
Und das war keineswegs die Schuld des Kameraden. Ich war der Führer. Ich alleine war verantwortlich. Er hat nur sein Bestes gegeben, um mir aus seiner Sicht zuzuarbeiten. Den endgültigen Entschluss zu fällen, lag allein bei mir.
An diesem Tag habe ich folgende Dinge gelernt:
- Vertraue auf dein Bauchgefühl. Du weißt meistens schon, was die richtige Entscheidung ist. Du musst nur den Mut haben, sie auch zu treffen.
- Entscheide schnell. Wie schon General S. Patton sagte: „Ein guter Plan, der jetzt ausgeführt wird, ist besser als ein perfekter Plan, der nächste Woche ausgeführt wird.“
- Du musst nicht immer richtig liegen. Egal, ob richtig oder falsch: Wichtig ist, dass es deine Entscheidung ist. Nur so kannst du lernen und dich weiterentwickeln.
Viel Erfolg da draußen!
Shughart
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Quellen: Titelbild: Marcel T. (Grüße gehen raus!), Dickung: FieldsportsChannel.tv