WESHALB „WEIL ES SO BEFOHLEN WURDE“ EINE SCHLECHTE BEGRÜNDUNG IST
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Einleitung
„Weil es (von oben) so befohlen wurde“ ist die wohl schlechteste Begründung dafür, einen Befehl auszuführen. Egal, ob man damit einen eigenen Befehl rechtfertigt oder den eines Vorgesetzten.
Warum das so ist und was man dagegen tun kann, möchte ich Dir an einem Beispiel zeigen.
Ausweich- und Angriffsdrills
Es war der dritte Tag des Ausbildungsbiwaks.
Unser Zug bildete Ausweich- und Angriffsdrills aus, also das überschlagende Angreifen oder Lösen vom Feind.
Ich selbst hatte das Privileg, vor einigen Jahren von extrem erfahrenen Führern ausgebildet worden zu sein, und war motiviert, dieses Wissen als Gruppenführer an meine Untergebenen weiterzugeben.
So begannen wir bereits am Vorabend mit dem Vorüben und machten schnell Fortschritte.
Während sich im Biwak spätestens nach dem dritten Tag oft eine gewisse Müdigkeit und Trägheit bei den Soldaten einschleicht, waren die Männer aufgrund der dynamischen Ausbildung und der taktischen Herausforderung stets motiviert, wach und bei der Sache.
Soweit, so gut.
Wir setzten die Ausbildung am nächsten Tag fort und sahen schnell, dass sie Wirkung zeigte.
Taktisch sinnvoll?
Wir standen bereits kurz vor Abschluss, als unser Zugführer alle Gruppenführer zusammenrief.
„Wir müssen die Ausbildung abändern. X, Y und Z wird nicht mehr gemacht. Außerdem macht der Gruppenführer ab jetzt ABC selbst. Stellt die Mängel ab.“
Jetzt war ich demotiviert.
Die allgemeine Vorschrift geht bei diesem Ausbildungsthema nicht sehr ins Detail und lässt absichtlich Freiheiten, Kleinigkeiten anzupassen. Ich sollte nun aber Verfahren abändern, die sich bereits bei vielen Kräften bewährt hatten und (aus meiner Sicht) taktisch den meisten Sinn ergaben.
Also ging ich zur Ausbildungsgruppe zurück, sammelte die Männer um mich und wandte mich an sie:
„Wir müssen das Verfahren etwas abändern. Wir haben einen guten Job gemacht und die Drills sehen sauber aus. Jetzt geht es darum, das Verfahren auf einen einheitlichen Stand mit den anderen Gruppen zu bringen. Denn wenn ihr einmal in einer anderen Gruppe eingesetzt seid, muss trotzdem jeder Handgriff sitzen und jeder die Kommandos kennen. Deshalb zeige ich euch jetzt die Änderungen.“
Ich zeigte den Männern das neue Verfahren, ohne mir anmerken zu lassen, dass ich gewisse Abschnitte des „alten“ Verfahrens besser fand. Nach ein paar Übungsdurchläufen saß alles und der Ausbildungserfolg stellte sich ein.
Ich hätte auch ganz einfach sagen können: „Wir müssen unsere Verfahren anpassen. Ich weiß nicht, weshalb. Es ist dumm, denn unsere Taktik ist ganz klar besser. Aber es wurde halt so befohlen.“
Aber damit wären zwei Dinge passiert:
- Die Motivation der Männer wäre gesunken, da ich ihnen keine Begründung und keinen Sinn für die Umstellung aufgezeigt hätte.
- Ich hätte den Führungsanspruch meines Vorgesetzten untergraben, da ich offensichtlich nicht hinter seiner Entscheidung stünde.
Lehre:
Es ging nicht darum, welches Verfahren besser war und wer Recht hatte.
Der Zugführer hatte mit Sicherheit eine sinnvolle Begründung für seine Entscheidung. Für Diskussionen war an dieser Stelle aber weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort.
Die Einzelheiten dieses Verfahrens und warum was wie gemacht wird, kann man später in Ruhe besprechen und mit Sicherheit viele Missverständnisse klären.
Doch wenn ich auf dem Feld als Führer einen Befehl an die Männer weitergebe, muss ich hinter diesem Befehl stehen. Es ist meine Pflicht, ihnen so gut wie möglich zu erklären, wieso wir das jetzt so machen, damit sie das Vertrauen nicht verlieren. Auch dann, wenn ich vielleicht nicht zu 100 % hinter dem Befehl stehe.
Falls die Meinungen zwischen mir und meinem Führer auseinandergehen, spreche ich das bei der richtigen Gelegenheit im richtigen Ton an, auch das ist meine Pflicht. Vor den Männern selbst sollte aber immer ein geschlossenes Bild des Führerkorps entstehen.
Verhältnismäßigkeit:
Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen der Befehl einfach ausgeführt wird, weil es so befohlen wurde.
Beispiele hierfür sind mangelnde Disziplin, Dinge, die der Soldat ganz genau weiß und einfach durch Nachlässigkeit falsch macht, oder brenzlige Situationen, in denen es eben sehr schnell gehen muss.
Auch sollte sich der Führer niemals rechtfertigen oder erklären müssen, denn er hat den Führungsanspruch.
Gerade deshalb ist es aber so wichtig, das Vertrauen der Männer zum Führer aufzubauen, damit sie ihm nicht allein des Dienstgrads und der Vorgesetztenverordnung wegen folgen.
Viel Erfolg da draußen!
Shughart
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P.S.: Ein besonderer Dank geht an Oliver Bender (Tyrosize) für das herausragende Foto.