DER PILOT, DER SICH FÜR SEINEN BEOBACHTER OPFERTE
Am 29. Juni 1972 war Capt. Bennett mit seinem Beobachter über Vietnam in der Luft, um eigenes Artilleriefeuer zu beobachten und zu korrigieren.
Bald bemerkte Bennett starke feindliche Kräfte, die sich zum Sturm auf eine kleine amerikanische Einheit bereitmachten. Er bat um taktische Luftunterstützung, bekam aber die Antwort, dass keine verfügbar sei. Daraufhin forderte er Steilfeuer an, doch auch das wurde ihm verweigert, weil eigene Kräfte zu nahe am Ziel lagen.
Bennett konnte dem beginnenden Feuerkampf jedoch nicht einfach zusehen und wollte den eigenen Einheiten helfen. Obwohl es sich bei seinem Flugzeug (Rockwell OV-10) um ein leicht bewaffnetes Aufklärungsflugzeug handelte, das nur sekundär für Bodenangriffe gebaut war, überflog er mehrmals die feindlichen Truppen und wirkte dabei mit seinen Maschinengewehren. Nach 4 solcher „Strafing Runs“ begannen die feindlichen Kräfte auszuweichen.
Als Bennett seinen 5. Angriff gerade beendet hatte, wurde sein Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete getroffen. Sein Beobachter und er überlebten die Explosion, doch das linke Triebwerk und das Fahrwerk waren schwer beschädigt und standen teilweise in Flammen. Als sich das Feuer im linken Triebwerk ausbreitete, erkannte Bennett, dass eine Notlandung auf einem befreundeten Flugplatz unmöglich war. Er wies seinen Beobachter an, den Schleudersitz vorzubereiten, erfuhr aber, dass dessen Fallschirm durch die Rakete zerfetzt worden war.
Bennetts Fallschirm war noch intakt, doch er wusste, dass sein Beobachter keine Überlebenschance hatte, wenn er sich selbst mit dem Schleudersitz rettete. Also entschied er sich, das Flugzeug in einem Fluss notzulanden, obwohl ihm klar war, dass ein Pilot dieses Flugzeugtyps noch nie eine Notwasserung überlebt hatte. Der Aufprall auf das Wasser brachte die Maschine ins Schleudern und beschädigte das vordere Cockpit so schwer, dass Bennett nicht mehr aussteigen konnte.
Der Beobachter schaffte es, sich aus dem Flugzeug zu befreien, und wurde einen Tag später von eigenen Kräften aufgenommen. Capt. Bennett starb beim Aufprall auf das Wasser. Er hinterließ eine Frau und ein Kind und wurde für seine Taten posthum mit der Medal of Honor ausgezeichnet.
Obwohl Capt. Bennett einen funktionierenden Fallschirm hatte, ging er lieber das Risiko ein, selbst zu sterben, als seinen Beobachter dieser Gefahr auszusetzen. Eine Bruderschaft, die niemand anderes versteht.
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Bildquellen:
Titelbild: USMC, eine OV-10 legt einen Rauchfächer ab
1. Bild: USMC, OV-10 feuert Raketen in eine Baumreihe
2. Bild: Porträt von Steven L. Bennett, USAF